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KOGNITWE UND SEMANTISCHE ASPEKTE PHRASEOLOGISCHER EINHEITEN FUR DEN BEREICH BOTANISCHER KOMPONENTEN DER DEUTSCHEN SPRACHE

S. Ermolenko

Die Forschungsobjekte der Phraseologie konnen verschiedene Namen tragen: Phraseologismen, Phrasem, fertig gepragte Ausdrucke, idiomatische Ausdrucke, komplexe Einheiten und viele andere mehr, was als Resultat der Entwicklungsgeschichte dieser komplexen Einheiten dienen konnte. Definitionen sindInstrumente der wissenschaftlichen Untersuchungen. Es ist unmoglich, einefur alle anerkannteDefinitionzufinden. Ich beschranke mich weitgehendauf den TerminusPhraseologie" als ubergreifende Bezeichnung fur den ganzen Teilbereich der Sprache und auf Phraseologismus". Die Phraseologie verdient als „kollektives Gedachtnis" der Sprachtrager, als Spiegel" der Kultur, der Lebensweise der gesamten Sprach- und Kommunikationsgemeinschaf spezielle Beachtung.

Die Forschungsobjekte der Phraseologie konnen verschiedene Namen tragen: Phraseologismen, Phrasem, fertig gepragte Ausdrucke, idiomatische Ausdrucke, komplexe Einheiten und viele andere mehr, was als Resultat der Entwicklungsgeschichte dieser komplexen Einheiten dienen konnte. Die meisten phraseologischen Arbeiten beklagen sich uber eine „verwirrende Vielfalt der Terminologie". H. Schermann in der „wissenschaftlichen Einfuhrung" zur „Deutschen Idiomatik" bietet dem Leser uber 50 Bezeichnungen fur die Einheiten, die er in sein Werk eingetragen hat. [1.27]. Pilz gibt in seiner Zusammenstellung, die auch nicht vollkommen ist, etwa 80 verschiedene Termini [2.13-22]. Ganze Kapitel wissenschaftlicher Arbeiten werden der Ubersicht der Terminologie, die ins Uferlose geht, gewidmet. Man kann viele Grunde fur diese Vielfaltigkeit in der Terminologie nennen und zwar:

- dass es am Anfang fur die Entstehung einer neuen Wissenschaft hochst wichtig war, ihr Forschungsobjekt zu definieren,

- dass jeder bedeutende neue Beitrag zur Phraseologieforschung sein Ziel darin sah, nicht nur vorhandene Erkenntnisse zu bereichern und neue Ansatzpunkte zu bringen, sondern auch eine neue Terminologie einzufuhren, dass man durch neue Terminologie versuchte, sich von den anderen linguistischen Richtungen zu distanzieren, manchmal konnte es vielleicht an dem individuellen Ehrgeiz des Forschers liegen. [3.2]Ungeachtet dessen, dass es zahlreiche Untersuchungen zur Phraseologie oder Idiomatik gibt, ist „ihr linguistischer Status keineswegs eindeutig geklart" [1.27].

Eines ist unbestreitbar und zwar, dass es um eine Wortverbindung geht, in der „die Summe der Komponentenbedeutungen nicht die Gesamtbedeutung der Wortverbindung ausmache" [4.15]oder dass „die phraseologische Einheit eine feste Verbindung von Wortern mit total oder partiell umgewandelter Bedeutung ist" [5.210].

Sehr optimistisch klingt die Meinung von Greciano [6.232], dass in der Terminologie „dank wiederholter Klarungsversuche heute ziemliche Ubersichtlichkeit herrscht". Es scheint aber, dass diese chaotische Lage mit der Terminologie nur im Rahmen einer Schule, bzw.einer Richtung uberwunden werden kann.

Definitionen sind Instrumente der wissenschaftlichen Untersuchungen. Es ist unmoglich, eine fur alle anerkannte Definition zu finden. Ich beschranke mich weitgehend auf den Terminus „Phraseologie" als ubergreifende Bezeichnung fur den ganzen Teilbereich der Sprache und auf „Phraseologismus", phraseologische Einheit (PE), fur die folgende Merkmale von Bedeutung sind:

-zwei oder mehrere Komponenten

-einheitliche, ganzeinheitliche Bedeutung

-Konstanz im Bestand

-Entstehung aus semantischer Umdeutung der Komponenten -emotional-expressive Farbung.

Gewiss kann diese Liste phraseologischer Merkmale noch bedeutend erweitert werden, mir aber scheinen die oben genannten am wichtigsten.

Die Phraseologie oder die Idiomatik blieb lange Zeit ausgeklammert, weil sie als etwas „Uncartesianisches" betrachtet wurde. Die Teilung der Welt in zwei Spharen und zwar in Geist (res cogitans) und Ding (res extensa), was das Denken als etwas Mathematisch-Logisches und Rationalistisches darstellte, wo (x+y=xy), passte der Phraseologie gar nicht, wo (x+y=z), d.h. keine Summe, sondern Gestalt, Bild ist. [7.10].

Fruher ging die Phraseologieforschung in erster Linie beschreibend vor, zurzeit aber liegt das Interesse im Bereich der erklarenden Uberlegungen. Zur Erweiterung der Untersuchungsaspekte hat auch die kognitive Linguistik beigetragen.

Eine herausragende Rolle in der Phraseologie spielte von Anfang an die kontrastiven Aspekte. In den phraseologischen Arbeiten mit monolingualem Material wurde und wird hervorgehoben, dass die Idiomatik das Allerheiligste einer Nationalsprache ist. Gerade in ihr manifestieren sich der Geist und die Eigenart jeder Nation. Sie ist unwiederholbar" [9.7].

Die Phraseologie verdient als „kollektives Gedachtnis" der Sprachtrager, als Spiegel" der Kultur, der Lebensweise der gesamten Sprach- und Kommunikationsgemeinschaft^spezielle

Beachtung" [8.94].

In diesem Zusammenhang werden die spezifische traditionelle Symbolik, die fur spezifische Denk- und Interpretationsweise, die tief in der Vergangenheit verwurzelte traditionelle Symbolik, der fur das Volk charakterische Volksglaube, Traditionen, Aberglaube u. a. mit in Betracht gezogen.

Demzufolge scheint uns sinnvoll, einem der zentralen Begriffe in den kognitiven Wissenschaften (Cognitive Science) dem der „mentalen Reprasentation" groBere Aufmerksamkeit zu schenken. Dieser Begriff wird sehr haufig in vielen Disziplinen (Logik, Sozialpsychologie, Neurobiologie, Naturwissenschaften, Linguistik u.a.m.) gebraucht, der schon einmal unter dem Namen „Vorstellung" in der Psychologie bekannt war und sowohl bewusste als auch unbewusste, sowohl sprachliche als auch bildhafte Wahrnehmungsinhalte bedeutete. „Mentale Reprasentation" bezeichnet in erster Linie systeminterne Zustande,  die systemexterne Zustande durch Informationsverarbeitung

abbilden. [10.63].

In diesem Fall ist es fur unsere Untersuchung wichtig, wie die Information und die Reize aus der Umwelt aufgenommen bzw. wahrgenommen, gespeichert, gegebenenfalls transformiert und schlieBlich auf der Basis sprachlichen Verhaltens produziert werden.

Es scheint selbstverstandlich zu sein, dass es eine enge Beziehung zwischen Sprache und subjektivem Erleben gibt, das gerade in Sprache ihren Ausdruck findet, deshalb ist es angemessen, sprachliche Wendungen, Zeichen oder Texte als „"eingefrorenes" Abbild subjektiven Erlebens zu untersuchen [9, 25]. Dementsprechend besteht unser Hauptziel darin, dass wir versuchen zu erfahren, wie einzelne Reprasentationen aufgebaut werden, welchen AnstoB man fur ihre Bildung hatte, welche Rolle bei ihrer Bewahrung das menschliche Gedachtnis gespielt hat und in welcher Beziehung sprachliche Zeichen zu den Konzepten stehen.

Nach Theo Hermann gehoren zum Ausdruck „mentale Reprasentation" noch folgende Bestimmungstucke wie ein Reprasentandum a, ein Reprasentant b und die zwischen ihnen entstehende reprasentations- oder Abbildungsrelation R, wo aRb, die keineswegs umkehrbar ist. Es geht um Reprasentanten fur einzelne Menschen, fur jeweils singulare informationsverarbeitnende Systeme S, die interne (mentale, „subjektive")Prozesse manifestieren [11.17-18].

So handelt es sich um „mentale" Abbildungen der AuBenwelterlebnisse und des Alltagsverstandnisses. Jeder von uns macht die subjektive Erfahrung seiner eigenen Reprasentationen. Niemand hat aber Einblick in die Reprasentationen der anderen, obwohl wir gemeinsam in unserer einen Welt leben, weil es fur uns nur diese einzige Welt gibt, die wir auch zu erforschen ahnen. Objekte aus der AuBenwelt werden von uns als einzelne Elemente der Kategorien wahrgenommen, geschatzt, akkumuliert, mit anderen verglichen

und Schlussfolgerungen in Worten, in diesen diskreten Einheiten, den Zeichen der Sprache gemacht.

Alle diese Funktionen sind eigentlich der Arbeit des Computers ahnlich und deswegen wird das menschliche Gehirn in der letzten Zeit sehr oft mit einer Art Computers verglichen. Also hat unser PC einen Datenspreicher, in denen Information darauf wartet, aktiviert und verarbeitet zu werden. Das menschliche Denken besteht demzufolge im Verarbeiten der wahrgenommenen Vorstellungen bzw. Reprasentanten.

Die Wahrnehmung wird uber funf Sinnesorgane durchgefuhrt und zwar durch Sehen, Horen, Riechen, Schmecken und Tasten. Das visuelle Medium aber uberragt alle anderen, weil es fur alle Eigenschaften von Gegenstanden, Ereignissen und Beziehungen eigen ist. Deswegen ist die menschliche Sprache unverkennbar bildlich. Die anderen Sinne helfen gewiss auch dabei mit, die abstrakten Merkmalen und Eigenschaften zur Schau zu bringen. „Die Sprache ist also ein beredter Zeuge dafur, dass sich das Denken im Sinnlichen abspielt" [12.220].

In diesem Zusammenhang konnte man eine ganz neue Klassifikation vorschlagen, welche auf diesen funf Wegen der Informationswahrnehmung basiert, eine so genannte Wahrnehmungsklassifikation:

Horen:

auf den Busch (die Hecke) klopfen, Holz sagen, es rauscht im Blatterwald, das Mooslied singen, wie die blauen Bohnen pfeifen. Sehen:

wie eine genickte Lilie, schlank wie eine Pinie (Tanne), durr wie eine Hopfenstange, aussehen wie eine Pfingstrose. Schmecken:

jemand hat Bohnen gegessen, die Birnen sind gegessen, etwas zwischen Birnen und Kase versprechen, die Birne satt (dicke) haben, Apfel essen konnen, in den sauren Apfel beiBen (mussen), den alten Kohl aufwarmen, das Kraut versalzen, mit jemandem ist nicht gut Kirschen essen. Riechen:

schwitzen wie ein Apfelbutzen, das Kraut ist angebrannt, das ist starker Pfeffer (Tabak), Petersilie pflucken, alte Kamillen.

In diesem Artikel versuche ich kognitive und semantische Aspekte phraseologischer Einheiten fur den Bereich botanischer Komponenten der deutschen Sprache zu analysieren. Diese Gruppe kann man als eine besonders bildliche Gruppe betrachten, weil gerade die Anwesenheit dieser Komponente festlegt, dass festgepragte Wortverbindungen ubertragen und metaphorisch gefarbt sein sollen.

Fur alle Volker und alle Sprachen sind solche Begriffe wie Leben und Sterben, Tiere, Arten und Teile der Pflanzen und Pflanzen selbst allgemein bekannt und genug bildhaft. Es fallt nicht schwer, sich Konzepte, Reprasentanten, die hinter diesen Begriffen stehen, vorzustellen. Deswegen ist es sinnvoll, neben dem konzeptualen Weltbild und sprachlichen Weltbild auch das phraseologische Weltbild zu akzeptieren. Dieser Vorschlag beruht auf der Annahme, dass die den Phraseologismen zu Grunde liegenden Reprasentationen ziemlich leicht erkennbar, vorstellbar, reproduzierbar, memorisiert und synchron relativ stabil sind, und unsere Forschung lasst vermuten, dass diese Annahme tatsachlich richtig ist.

Die Sprachtrager konnen sich anschaulich ein Objekt oder eine Szene vorstellen, die im Inhalt einer phraseologischen Einheit geschlossen ist. Wenn man hort, dass ,jemand ins Gras beiBt", so kann es nicht leicht fur alle Auslander klar sein, dass es sich um keinen Vegetarier, sondern um einen Verstorbenen handelt.

Wir konnen uns vorstellen, wie eine Birne, eine Eiche, eine Bohne aussieht, aber die Schlussfolgerungen, die in phraseologischen Einheiten mit diesen Komponenten realisiert werden, zieht jedes Volk selbst. Gewiss gibt es eine Menge Bilder, Vorstellungen, die mit der allgemeinen Kultur, den Schatzen, der Geschichte, mit dem Glauben verbunden sind. Diese lassen sich leicht verstehen und interpretieren.

Der beruhmte russische Sanger und Schriftsteller Vertinskij, der nach der Revolution emigriert, in vielen Landern gelebt und sich dem Leben der russischen Emigranten bekannt gemacht hat, hat in seinen Erinnerungen geschrieben, dass es einem Russen nicht schwer fiel, Amerikaner oder Italiener zu werden, aber man kann nie Deutscher „werden". Diese Nation habe solche Charakterzuge, die nie beigebracht sein konnten. Die konnten nur angeboren sein. Man musse lange Zeit in Deutschland verbringen, um sich daran anzupassen [13.182-183].

Wir alle sind korperlich gleich gebaut, wir sehen dieselben Dinge, aber merken uns verschiedene Eigenschaften, Charakteristika derer und ziehen andere Schlussfolgerungen. Die Natur ist vielleicht die einzige, die mehr ahnliche Seiten hat und uns verbindet.

Wenn man aufgefordert ist, sich Objekte anschaulich vorzustellen, etwa einen Baum, eine Birne, eine Eiche, eine Kirsche, so ist es gewiss leichter und schneller, anschauliche Vorstellungen fur den Oberbegriff „Baum" aufzubauen, als fur die detaillierten Unterbegriffe ,JEiche", „Birne" usw. In diesem Fall geht es die Prototypentheorie. Als Grunder derer gilt Wittgenstein. Man behauptet, dass es in jeder Gruppe typische Vertreter einer Kategorie gibt, z.B. „Baum", „Eiche", „Birne" usw., die ein kategoriales Zentrum bilden, wobei sich andere Mitglieder z.B. „Palme", „Akazie", „Busch" auf der Peripherie befinden. (Fur die anderen Volker aber konnte die „Palme" im Zentrum sein). Prototypen sind Vertreter einer Kategorie, die die meisten mit den anderen Exemplaren gleichen allgemeinen Merkmalen haben. Diese Regel konnte meiner Meinung nach auch auf dem Gebiet der phraseologischen Einheiten gelten. Es ist moglich, prototypische Merkmale fur Phraseologie zu bilden, aber dabei wird es sich in erster Linie um syntaktische Merkmale der phraseologischen Einheiten (PE) handeln. In diesem Fall hatten wir folgendes Modell:

1 Adjektiv+(wie) + Pflanzenname + sein

2 Verb + (wie) + Pflanzenname

3 Praposition + Pflanzenname + Verb

4 mehrgliedrige PE und Sprichworter

Die erste Gruppe der PE gehort zum Zentrum der Prototypen, weil sie auf der Basis der ersten Eindrucke und Vergleiche zwischen dem AuBeren eines Gegenstandes bzw. einer Person und einer Pflanzenart entstanden ist. Die zweite und die dritte befinden sich auch relativ nah zum Zentrum, weil hier auch oft vom auBerlichen Standpunkt uber Charaktereigenschaften geurteilt wird. Die letzte Gruppe ist am kompliziertesten, nicht nur von der Syntax her, sondern auch vom Inhalt, weil in diesen Beispielen schon ein subjektives Verhaltnis zu den Welterscheinungen und menschliche Weisheit ausgedruckt werden.

Um den vollen Inhalt einer PE zu verstehen, muss man auch die Abhangigkeit vom Kontext, vom Ursprung berucksichtigen und die erzeugten anschaulichen Reprasentationen muss man in diesem Fall als Resultat eines Prozesses betrachten, der aus dem Gedachtnis heraus entsprechende Zustande hervorruft [14.83].

Es ware interessant, folgenden Test durchzufuhren, in dem man Auslandern wortwortliche Ubersetzungen deutscher Redewendungen und Sprichworter darlegt und erwartet, wie sie die Bedeutung derer herausfinden und ihre Meinung begrunden konnten. Nicht weniger interessant ware es auch den Sprachtragern Redewendungen, die schon lange nicht mehr gebrauchlich sind, vorzulegen, damit sie versuchen, ihre Bedeutung nachzuvollziehen. Man konnte dabei feststellen, in welchem Grade sich die Denkweise moderner Menschen und deren Grosseltern, die die Benennung verschiedener Dinge und Erscheinungen beigebracht haben, unterscheiden.

Dabei nehmen wir an, die Entstehung phraseologischer Einheiten hat dieselben Stufen der Benennung wie ein Wort. Bei der Benennung werden die Formen, Strukturen ausgewahlt, die meiner Meinung nach am besten unseren Vorstellungen entsprechen, dabei wird auch die mega-kognitive Handlung hervorgerufen. „Ich nenne das so, weil ich denke, es ist so". Dabei muss die Motivation berucksichtigt werden. Gleichzeitig wird die Kategorisation der Weltrealien durchgefuhrt. Da diese Realien allgemein bekannt sind, kann man auch sekundare Bedeutung der PE, ihre Metaphorizitat verstehen und Zugang

zum mentalen Lexikon bekommen. Hier handelt es sich um das Wissen, das auch zu den zentralen Begriffen in kognitiven Wissenschaften gehort und untersucht wird. Man interessiert sich dabei dafur, was Wissen hervorgerufen hat und zwar objektive Regeln in der Welt oder subjektive Wahrnehmungen der Welt. Wie wird Wissen gesammelt, gespeichert und wie hat es sich entwickeln konnen.

Im Zusammenhang mit der Struktur der Reprasentationen kann man auch von zwei verschiedenen Wissen sprechen. „Deklaratives" Wissen beschaftigt sich mit Begriffen, Daten, Situationen, Ereignissen, „prozedurales" aber hat mit Operationen und Prozeduren zu tun [14.8].

In meiner Untersuchung habe ich mehr mit anschaulichen Vorstellungsbildern zu tun. In diesem Fall handelt es sich um einen Prozess, der komplex und detailliert ist. Wenn wir von der Wahrnehmung von Objekten sprechen, dann lassen sie sich unmittelbar und zwangslaufig wie Vertreter ihrer Klasse oder als szenische Ganzheit wahrnehmen. Anschauliche Vorstellungen erscheinen als Resultat eines Prozesses, der mit und in dem menschlichen Gedachtnis erzeugten Zustanden verbunden ist.

Wenn wir Prozesse betrachten, die beim Wahrnehmen der PE entstehen, so sehen wir, dass dabei nicht ein, sondern mehrere Begriffe im Gedachtnis aktiviert werden, die miteinander eng verbunden sind, mit einander zusammenhangen und als Kleinkontexte betrachtet sein konnten.

Dabei fallt es uns nicht schwer, uns die Situation vorzustellen, die hinter dem Inhalt der PE verborgen werden. Wie gelangen aber diese Vorstellungen und Begriffe ins Bewusstsein eines Menschen, das ist die Frage, die ich zu beantworten versuche.

Was die PE mit botanischen Komponenten von anderen Gruppen der PE unterscheidet, ist das, das ich hier mit konkreten und anschaulichen Begriffe zu tun habe, die leicht vorstellbar sind. Um sie aber auch fur Auslander anschaulich zu machen, muss man ihre Herkunft, bzw. Entstehungsmotive nachvollziehen. Dabei muss man kulturelle Klima jener Epoche, wann PE entstanden waren, summarisch rekonstruieren, weil es, wenn auch aus zeitlicher Entfernung, einen tiefen Einfluss auf den Gegenstand meiner Untersuchung haben wird. Dabei konnen uberraschende Entdeckungen gemacht werden.

Wie es bereits betont wurde, ist der Sinn einiger PE dunkel und unklar (nicht nur fur Auslander, sondern auch fur Sprachtrager) wegen der Veranderungen in der Welt geworden. Die deutsche Sprache hat nach Otto Greyerz „ein Riesengedachtnis", und sie trage jahrtausendaltes Gut in sich. Alle Gebiete des taglichen Lebens haben zu dem Schatz der Redewendungen beigetragen: Essen und Trinken, Spiel und Tanz, Jagd und Kampf, Tier -und Pflanzenwelt.

Versuchen wir sinnbildliche Darstellungen der PE mit botanischen Komponenten naher zu betrachten. Man merkt gleich, dass die Pflanzenmetaphorik solcher PE am besten nachvollziehbar ist. Man spricht nicht nur von der Blutezeit der Pflanzen, sondern auch von der Blutezeit des Lebens, der Jugend, von bluhender Gesundheit, vom bluhenden Unsinn und von bluhenden Geschaften. Man kann sogar etwas in der Blute vernichten. Bekannt sind auch folgende PE, wie z.B. uppige oder wunderliche Bluten treiben, oder jemandem Bluten andrehen, d.h. beim Geldwechsel Falschgeld herausgeben. Man kann nicht nur Fruchte eines Baumes ernten, sondern auch die Fruchte der Arbeit, der Muhe, des Schweifles, des Tuns, des Handels, des Leichtsinnes oder des Ungehorsams.

Verschiedene Arten der Baume und der Pflanzen haben dem groBen Sprichworterschatz der deutschen Sprache auch viele Sinnbilder, Symbole mitgebracht. Menschliches Sein ist untrennbar mit der Natur verbunden. Jemand ist stark wie ein Baum, schon wie eine Rose, keusch wie eine Lilie, empfindlich, zart wie eine Mimose, blau wie ein Veilchen, lang wie eine Bohnstange, dumm oder grob wie Bohnenstroh, gesund wie eine Eiche, schlank wie eine Gerte, durr wie eine Hopfenstange, rot wie eine Tomate. Man kann mit einem netten oder sauberen Fruchtchen, mit jungem oder hoherem Gemuse, mit einem Mauerblumchen oder einer Kaffeetante bekannt sein.

Seit langer Zeit versucht man nicht nur das AuBere, sondern auch verschiedene Eigenschaften der Pflanzen in PE zu gebrauchen. Man betrachtet z.B. Apfelbaum wie einen

alten Freund, der mit seinen Fruchten eine groBe Bedeutung in Dichtung und Sagen erlangt hat. Auf Rechnung seiner Apfel, die rund wie das Gluck und verlockend wie die Sunde sind, wird soviel Gluck und Ungluck geschrieben. Wir alle verstehen, dass es wirklich nicht seine Schuld war, dass er am Baum der Erkenntnis hing, dass die Schlange sich zu ihm gesellte, und dass er weder damals noch heute verlangte, gepfluckt und gegessen werden. Aber wir sprechen von verbotenen Fruchten und vom Baum der Erkenntnis. Wir wissen auch, dass der Krieg von Troja nicht in der Absicht des rotwangigen Apfels lag, aber doch haben wir schone PE, die mit Zankapfel, Apfel der Zwietracht oder Erisapfel verbunden sind. Aber trotz aller ublichen Nachrede bleibt der Apfelbaum als Sinnbild ruckhaltloser GroBmut, seine Bluten aber als Symbole der Liebe, Bitte und Erfullung. Ebenso beliebt ist in PE neben dem Apfelbaum der Birnenbaum, deren Fruchte in folgenden Beispielen eine weiche Birne haben, sich die Birne zerbrechen, eins auf die Birne kriegen zur Bezeichnung des menschlichen Kopfes dient. Aber nicht nur die Birne hat diese „Ehre" als Symbol des menschlichen Kopfes aufzutreten. Man kann auch einem auf die Nuss oder auf die Rube geben. Aber im Kopf kann man auch etwas „Pflanzliches" finden, z.B. grofle Rosinen fur groBe Plane, manchmal sogar Stroh wenn man einen Strohkopf hat.

Die Hohe der Baume dient in PE zum Ausdruck der „hohen" Gefuhle, z.B. Arger, Zorn. Man sagt in diesem Fall du bringst mich auf die Palme, die Akazie, den Baum, die Pinie. Diese PE beruhen sich auf der Grundvorstellung des ^ochgehens" des Zornigen. Aber man beruhigt sich langsam wieder, d.h. man kommt von der Palme etc. wieder herunter.

Die oben genannten Beispiele gehoren eher dem deklarativen Wissen an. Es gibt aber auch eine Menge PE, die auf Grund des produzedares Wissens oder der Dynamik gebildet sind. Hier muss man auch die menschlichen Kenntnisse, die man faktisch besitzt, allgemeine Geschichte, Literatur und Weltwissen berucksichtigen, um PE adaquat zu verstehen.

Das geht (noch) ubers Bohnenlied. Das ist mir ubers Bohnenlied. Diese zwei PE bedeuten etwa „das ist unerhort und unglaublich, es ubersteigt jedes erlaubte MaB" und geht auf das echte Bohnenlied zuruck, das zuerst in den Fastnachtspielen des 15. Jahrhunderts erwahnt wurde. Alle Strophen dieses Liedes schlossen mit der Zeile: „nu gang mir aus den Bohnen", d.h. lass mich ungeschoren. Diese Worte beziehen sich auf den im 16. Jh. verbreiteten Witz „Wenn die Bohnen bluhen, gibt es viel Narren". Mit diesem Spruch sind auch einige Sprichworter, wie z.B. die Bohnen bluhen, die Narren ziehen verbunden. Mit dem „Bohnenlied" gibt es noch einige ahnliche PE, wie nie ubers Bohnenlied hinauskommen fur „nuchtern sein und bleiben", neben das Bohnenlied treten fur „sich mit jemandem auf gleichem Niveau bewegen, ubertriebene Behauptungen oder unwahre Angaben geben" oder jemandem das Bohnenlied singen fur ,jemandem den Laufpass geben, jemandem sagen, dass er nicht mehr erwunscht sei oder sein nahes Ende prophezeien" [15.238].

Sehr bildlich ist auch PE ins Gras beiflen (mussen) fur „sterben", die fruher im Kampf fallen" bedeutete. Ahnliche PE gibt es auch in der franzosischen, der italienischen und spanischen Sprache, die etwa der Redewendung „in den Staub beiBen" entsprechen. Es gibt sogar einige Erklarungen der Entstehung dieser PE. Die eine ist mit der so genannten Notkommunion verbunden. Es war im Mittelalter ublich, dass die, denen im Kampf ein schneller Tod drohte, Erdbrocken statt des Leibes Christi als letzte Wegzehrung zu sich nahmen. Die zweite Erkl arung beruht darauf, dass das Wort „beiBen" dem mhd. „beizen", ahd. „beizen" „absteigen" entspricht. Dementsprechend bedeutet diese PE das Absteigen eines Ritters vom Pferde, um das Pferd fressen zu lassen. Die dritte Erklarung ist aus dem Bild entstanden, dass todlich verwundeter Krieger haufig im letzten Todeskampfe Sand, Erde oder Gras mit dem Munde erfasste. Diese Erklarung beruht auf vielen Beispielen in der Literatur (Homer „Ilias" II, 412, Vergil „Aeneis" XI, 418, Ovid „Metamorphosen" IX, 61).

Die dritte Erklarung basiert auf einem indoeuropaischen Brauch, dementsprechend man in bestimmten Fallen, etwa in gefahrlichen Situationen Gras in den Mund oder in die Hand nahm. Diese Sitte bedeutete nicht „sterben", sondern es war ein Mittel, um sich bei Lebensgefahr vor dem Tode zu retten. Wer aber ins Gras biss, gab damit Zeichen, dass er

mit seinen Kraften zu Ende war. Das Gras diente als Symbol der Schwache und des Schutzheischens [15.577-580]. Mir scheint die dritte Erklarung dieser PE am besten und bildlichsten. Sie wird auch in meisten Lexika der sprichwortlichen Redensarten dargelegt [16.192].

Diese einige vorgeschlagenen Beispiele verstehe ich naturlich nicht als eine genaue schrittweise Erklarung, sondern nur als einen kleinen Erklarungsversuch dafur, wie die deutschen PE mit botanischen Komponenten entstanden sind, welche Tatsachen bzw. Ereignisse aus der menschlichen Geschichte als Entstehungspunkt zu betrachten sind, wie Symbole aus der Pflanzenwelt mit dem bildlichen Inhalt der PE verbunden sind und welche kognitive Aspekte dabei eine entscheidende Rolle gespielt haben. Und es ist zu erwarten, dass das Interesse an den PE in der deutschen Sprache fur die Untersuchung der menschlichen Natur bleiben wird.

Im alltaglichen Leben merken wir heutzutage, dass die Unrast unserer Zeit auch unsere Sprache ergriffen hat. Wir sprechen und denken in Abkurzungen, gebrauchen kunstlich entstandene Wortgebilde ohne inneres Leben, manchmal hasslich im Klang. Die Sprachen senken an Wert, Farbigkeit, Ausdrucksreichtum. Besonders aktuell fur die deutsche Sprache klingen heute die Worte von Jacob Grimm, die er fast vor 100 Jahre geschrieben hat: "Deutsche, geliebte Landsleute, welches Reiches, welches Glaubens Ihr seid, tretet ein in die Euch allen aufgetane Halle Eurer angestammten alten Sprache. Lernt und heiligt sie und haltet an ihr! Eure Volkskraft und Dauer hangt an ihr."

РЕЗЮМЕ

Разнообразие существования такого множества возможных обозначений объекта исследования фразеологов всего мира обуслoвливается многими факторами. И хотя дефиниции являются инструментами для любого филологического исследования, представляется невозможным найти одну приемлемую для всех школ и течений дефиницию идиом. Идиоматика долгое время оставалась отдельной наукой, чем-то некартезианским. И если раньше исследователи подходили к исследованию описательно, то в последнее время осуществляются попытки объяснить шгнитивные и познавательные аспекты данных единиц языка.

QUELLENVERZEICHNIS

1. Schermann H. Die deutschen Redensarten. - Stuttgart. Dresden: Ernst Klett Verlag fur Wissen und Bildung, 1993.-1037.

2. Pilz K.D. Phraseologie.- Goppingen: Goppinger Arbeiten zur Germanistik-Verlag, 1978.- 239.

3. Hessky R. Phraseologie. Linguistische Grundfragen und kontrastives Modell. Deutsch-Ungarisch.- Tubingen:

1987.- 138.

4. Schermann H. Deutsche Idiomatik. Die deutschen Redewendungen im Kontext.- Stuttgart. Dresden: Ernst

Klett Verlag fur Wissen und Bildung, 1993.-1073.

5. Sialm A. Semiotik und Phraseologie (Zur Theorie fester Wortverbindungen im Russischen).- Bern : Peter

Lang-Verlag, 1987.-186.

6. Greciano G. Bildhaft, ubertragen, metaphorisch..." Zur Konfusion um die semantischen Merkmale von Phraseologismen// EUROPHRAS 88, Phraseologie Contrastive.- Klingenthal-Strasbourg, 1989.- 17-29.

7. Foldes C. Deutsche Phraseologie kontrastiv. Intra- und interlinguale Zugange.- Heidelberg: Julius Groos

Verlag, 1996.- 224.

8. Бабкин А.М. Русская фразеологии, ее развитие и источники.- Ленинград: «Наука»,1979. - 264.

9. Engelkamp J. Das menschliche Gedachtnis.- Go ttingen. Toronto- Zurich: Verlag fur Psychologie, 1991.- 558.

10. Hormann H. Meinen und Verstehen (Grundzuge einer psychologischen Semantik)- Frankfurt am Main:

Suhrkamp, 1987.- 560.

11. Arnheim R. Anschauliches Denken. Zur Einheit von Bild und Begriff- Frankfurt am Main: Verlag M.Du

Mont Schauberg, 1972.-322.

12. Вертинский A. Дорогой длинною... - Москва.: Правда, 1990.-576.

13. Tergan S.O. Modelle der Wissenschaftsreprasentation als Grundlage qualitativer Wissensdiagnostik.-Opladen:

Westdeutscher Verlag, 1986.-230.

14. Rohrich L. Das groBe Lexikon der sprichwortlichen Redensarten.- Herder Freiburg. Basel. Wien: Verlag Herder Freiburg im Breisgau, 1991-3822.

15. Muller K. Lexikon der Redensarten. 4000 deutsche Redensarten. Ihre Bedeutung und Herkunft. Munchen: Bertelsmann Lexikon Verlag, 1997.-782.

"Вісник СумДУ", №11(95)' 2006. Том 2

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